Projekt "Umgestaltung des Innenraums der St.-Johannes-Kirche"

Ausgangspunkt

Altarwand, Ausstattung und Fußboden von 1971

Anfang der 1970er Jahre gab es die letzte wesentliche Veränderung des Kirchraumes. Am auffälligsten sind der Nadelfilzfußboden, die eingezogene Altarwand aus roten Klinkern und die gläsernen Kugelleuchten. Auch Altartisch, Kanzel und Lesepult stammen aus dieser Zeit. Besonders die Fußbodengestaltung (hoher Pflegeaufwand, Unansehnlichkeit durch Flecken und Wellenbildung und ein gewisser "Wohnzimmer-Charme" sowie das trennende Lüftungsgitter vor der Altarstufe) ließ Veränderungswünsche aufkommen. Allerdings verlangte das Denkmalamt vor Beginn irgendwelcher Eingriffe die Erstellung eines Gesamtkonzeptes.

Bildung einer Arbeitsgruppe und Architektenwettbewerb

Zwischen 2009 und 2015 berät ein gemeindlicher Ausschuss unter zeitweiliger Mitwirkung von Fachleuten des Kirchenkreises, der Landeskirche und der Denkmalpflege Rahmenbedingungen für eine Neugestaltung und erstellt eine Liste von Gestaltungskriterien. Diese sind Grundlage für die Ausschreibung eines Architektenwettbewerbs, an dem sich 4 renommierte Architekturbüros beteiligen. Im September 2016 wird von der Wettbewerbsjury einstimmig der Entwurf von Hanno Nachtsheim aus dem Büro Riemann Gesellschaft von Architekten in Lübeck zum Sieger gekürt.

Das Preisgericht formuliert: Der Entwurf wird konzeptionell und zeitgenössisch, auch unter Berücksichtigung der denkmalpflegerischen Aspekte, hergeleitet. Die Gestaltung der neuen Ausstattungsgegenstände wurde begrüßt. Die Bezüge zum geschichtlichen Hintergrund (des Stadtteils - d. Verf.) sind gut nachvollziehbar. Der Innenraum mit seiner Farbgebung wirkt und ist in sich stimmig.

Blick Richtung Altarraum

Grundzüge des Entwurfs

Der Entwurf von Hanno Nachtsheim nimmt deutlich Bezug auf die geschichtliche Dimension des Kirchenraumes und die Historie des Stadtteils. Die architektonische Sprache des Raumes ist durch die erstaunlich häufigen Veränderungen und Neugestaltungen des Inneren im Laufe von nur etwas über 100 Jahren des Bestehens dieser Kirche nicht mehr klar erkennbar. Besonders der Einbau eines Abstellraumes auf der nördlichen Empore, verbunden mit der Kappung der Emporenbrüstung, die Schließung des östlichsten großen Fensters auf der Südseite und die Errichtung der neuen Altarwand haben die Raum- und Lichtverhältnisse negativ verändert. Dazu vertragen sich der grüne und graue Nadelfilzboden und der trennende Heizungsrahmen nach Überzeugung des Architekten nicht mit den originalen gestaltgebenden Elementen des Kirchraums und stören die sakrale Raumwirkung.

Neue Altarraumgestaltung, verlängerte Empore und entfernter Abstellraum
Hostorische Farbbefunde an den Holzteilen der Empore

Um diese "Störungen" zu beseitigen und einen klar strukturierten, erhabenen Kirchenraum zu gestalten soll die rote Altarwand zurückgebaut werden. Das geschlossene Südfenster wird wieder geöffnet und die gegenüberliegende Empore wieder bis an die Altarwand verlängert. Dafür ist der obere Abstellraum zu entfernen, was auch durch die straßenseitigen Fenster wieder Licht in den Altarraum fallen lässt. Der Fußboden wird als heller Steinboden gestaltet, im Altarbereich um eine bis zwei Stufen erhöht, und komplett mit Fußbodenheizung ausgestattet. Es ist vorgesehen, die urspüngliche Farbigkeit der hölzernen Bauelemente (Emporenkonstruktion und Brüstung, Deckenbalken und -felder sowie Treppen) wie auch die nachgewiesene Ornamentik als sparsamen Schmuck wieder aufzunehmen und dadurch einen stimmungsvollen Kontrast zu der Helligkeit von Fußboden und Wandgestaltung zu schaffen.

Prinzipalstücke neu

Altartisch, Kanzel, Lesepult und Taufe sowie das Trägerkreuz zum gotischen Korpus werden aus geöltem Stahl, dem Material, das jahrzehntelang in Kücknitz gefertigt wurde, neu gestaltet. Ein feiner Messingstreifen auf den Oberflächen gibt eine besondere und erhabene Note.

Umsetzung

Eine Arbeitsgruppe der Gemeinde arbeitet weiter an der Verfeinerung des Entwurfs. Sie ist und bleibt im Gespräch mit dem Architekten, dem Kirchenkreis, mit Gemeindegliedern und Fachplanern. Sie betreibt Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising und hofft in beidem auf vielfältige Unterstützung, damit ein - wie wir finden überzeugender - Entwurf baldmöglichst umgesetzt werden kann.

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